Deutscher Gewerkschaftsbund

Baden-Württemberg

Ausbildungsreport Baden-Württemberg 2019

Titelbild Report BW 2019

DGB-Jugend BaWü

Zum dritten Mal bereits konnten wir einen eigenen Ausbildungsreport für Baden-Württemberg erstellen. 2.201 Auszubildende aus den 25 häufigsten dualen Ausbildungsberufe gaben Auskunft über die Qualität ihrer Ausbildung.

Zentrale Ergebnisse

Das Gute zu Beginn: Rund sieben von zehn Ausbildenden in Baden-Württemberg sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Dennoch gibt es weiterhin - und ohne erkennbare Verbesserung zu den Vorjahren - viele Probleme und Mängel bei der Ausbildungsqualität. Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten und fehlende Betreeung durch Ausbilder_innen bestimmen den Alltag vieler Azubis. Nicht wenig Betriebe scheinen ihre Auszubildenden als billige Arbeitskräfte zu stehen, statt ihrem Ausbildungsauftrag gerecht zu werden. Wenn die Qualität der dualen Berufsausbildung gesteigert werden soll, sind vor allem die Betriebe in der Pflicht, für Verbesserungen zu sorgen! Im Sinne einer Sicherung von qualifizierten Fachkräften wäre dies auch in ihrem ureigenen Interesse. Darüber hinaus ist aber auch die Politik gefragt, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Behörden und Kammern müssen zudem ihrem Kontroll- und Schutzauftrag im Sinne der Azubis nachkommen!

Den vollständigen Ausbildungsreport Baden-Württemberg 2019 gibt es unten zum Download.

Grafiken aus dem Report (Auszug)

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Auch in 2019 sind klare Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen zu sehen. Während typische Industrieberufe und einige kaufmännische Berufe gut bewertet werden, schneiden Berufe aus Handwerk und Handel deutlich schlechter ab.

Report BW 2019 Grafik 1

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Mehr als jeder und jedem dritten Azubi wird kein betrieblicher Ausbildungsplan vorgelegt. Damit fehlen wichtige Informationen zur Ausbildung und die einzelnen Elemente bleiben den Auszubildenden unklar.

Grafik 2 - Ausbildungsplan

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An vielen Auszubildenden bleiben ausbildungsfremde Tätigkeiten hängen. Die Zeit, die sie damit zubringen, fehlt bei der eigentlichen Ausbildung. Stattdessen müssen sie Kaffee holen, werden zum Putzen abgestellt oder müssen sogar die Hunde vom Chef Gassi führen.

Grafik 3 - Ausbildungsfr. Tätigkeiten

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Ausbilder_innen übernehmen eine wichtige Funktion in der Ausbildung und sind mit entscheidend für den Erfolg und die Qualität. Leider werden Azubis bei weitem nicht immer auch von Ausbilder_innen betreut.

Garfik 4 Betreuung

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46,6% aller Befragten - also fast jede und jeder zweite Azubi - sind mehr als ihre vertragliche Zeit im Betrieb. Regelmäßige Überstunden sind in der Ausbildung aber aber nicht nötig oder vorgesehen. Die Ausbildung als Lernverhältnis darf nicht als Ersatz für reguläre Beschäftigung dienen! Übrigens machen Azubis in Baden-Württemberg deutlich häufiger Überstunden als Azubis in anderen Bundesländern. Im Bundesschnitt sind es nämlich nur rund 36%, die regelmäßig Überstunden machen müssen.

Grafik 5 Überstunden

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Eine Arbeitszeit von mehr als 40 Stunden in der Woche ist für Minderjährige gesetzlich verboten, bei fast jeder und jedem zehnten Azubi unter 18 ist das in Baden-Württemberg aber üblich. Jeder einzelne Fall ist ein Gesetzesverstoß!

Grafik 6 Zeit u18

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Betriebs- und Personalräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) sind meist die ersten Ansprechpartner für Azubis, wenn diese im Betrieb Probleme haben. Daher zeigt sich auch, dass die Zufriedenheit mit der Ausbildung in den Betrieben höher ist, die über eine betriebliche Interessenvertretung verfügen.

Grafik 8 Btr. Interessenvertr.

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In der dualen Berufsausbildung ist neben dem Betrieb auch die Berufsschule von großer Bedeutung, wenn es um die Qualität geht. Doch allzu häufig fehlt es an der nötigen Ausstattung, sind Klassen zu groß oder nicht genügend Lehrer_innen vorhanden. Land und Kommunen müssen für besser Lern- und Lehrbedingungen an den Berufsschulen sorgen!

Grafik 7 Berufsschule

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Immer wieder wird behauptet, dass mehr Ausbildungsplätze vorhanden wären, als interessierte Schulabgänger_innen. Doch zum einen sind die Zahlen des Bundesanstalt für Arbeit lückenhaft, denn sie zeigen nur tatsächlich gemeldete Stellen und Interessent_innen und lassen viele Ausbildungsinteressierte unter den Tisch fallen. Zum anderen bleiben genau in den Ausbildungsberufen, in denen besonders viele und/oder gravierende Probleme bestehen, viele Ausbildungsstellen frei oder brechen Azubis ihre Ausbildung wieder ab. Schlechte Bedingungen sprechen sich rum!

Grafik 9 Ausbildungsmarkt

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Schwerpunktthema: Ausbildung 4.0

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Beim diesjährigen Schwerpunktthema Ausbildung 4.0 haben wir die Azubis zu ihrer Einschätzung von Bedeutung von Digitalisierung und Automatisierung für ihre Ausbildung gefragt, sowie danach, ob sie dafür vorbereitet und gezielt qualifiziert werden. Die allermeisten Azubis schätzen die Bedeutung der Digitalisierung als groß ein, deutlich weniger fühlen sich aber gut vorbereitet und noch weniger gezielt qualifiziert. Interessant ist dabei, dass die Zahlen aus dem Ländle kaum von den Zahlen auf Bundesebene abweichen, obwohl das Land Baden-Württemberg sich als Leitregion bei der Digitalisierung präsentieren will. In der Berufsausbildung kommt davon jedenfalls noch nichts an.

Grafik 10 Digi1

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Grafik 11 Digi2

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Ausbildungsreport Baden-Württemberg 2019 (PDF, 835 kB)

Der Ausbildungsreport der DGB-Jugend Baden-Württemberg gibt Auskunft über die Ausbildungsqualität im Land.

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Foto Andre Fricke

Andre Fricke / DGB-Jugend BaWü

Andre Fricke

Bezirksjugendsekretär

Arbeitsschwerpunkte:
Abteilungsleitung, Außenvertretung

Tel.: 0711/2028-248

E-Mail: andre.fricke@dgb.de

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